Tag 45: Samova – Partizani (43 km)

Hallo Leser, Ich darf euch wieder über den heutigen Tag/gestrigen Abend berichten: Ich war noch  essen, ja. Aber großen Hunger hatte ich keinen. Mich nervt das mit der SD-Karte immer noch, aber es ist fast vergessen. Der Aufenthalt  im Delta Natur Resort war klasse. Kann ich nur empfehlen. Da hat’s an nichts gefehlt. Nur das Essen und Trinken kostet hier das Doppelte bis Dreifache.

Morgen im Resort
Morgen im Resort
Ohne Frühstück geht's wieder auf die E87. Heute ist aber nicht so viel Verkehr wie gestern. Ich lasse es locker angehen. Ich muss noch einige Fotos und Videos nachholen. 

Und jetzt gibt es die ersten Mülleimer für Plastikflaschen in den Ortschaften - es geht aufwärts!
Mülltrennung
Mülltrennung
Stadion Samova
Stadion Samova
Höhe 0 ü.n.N.
Höhe 0 ü.n.N.
Bis Tulcea sind es nur gute 20 Kilometer. Das bin ich so gegen halb elf. Hier habe ich aber doch einen längeren Aufenthalt. Ich muss zunächst noch einiges erledigen.
Hundi (kein Beisser)
Hundi (kein Beisser)
Zuerst suche ich die Agentur "Eurolines" auf. Das ist das Fernbusunternehmen für meine Rückreise. Dort muss ich aber über eine halbe Stunde warten, bis der Geschäftsmann, ich nenne ihn "Willi Wichtig" mit den zwei Handys seine Reise gebucht hat. Immer wieder klingelt eines seiner Telefone und er spricht, verhandelt, wird lauter, legt auf, nächstes Handy surrt... Ein Gespräch nach dem anderen. Da hat sich sogar die Agenturddame bei mir entschuldigt. 

Tschüß Willi!

Ich buche jetzt meine Rückreise: Am Freitag, 31.07. um 21 Uhr geht's mit dem Minibus in fast 8 Stunden nach Bukarest (normal wären 4 bis 5). Über Constanta - da werde ich einige Haltestellen sehen. Dort geht's in den Fernbus nach Ulm. Ankunft am Sonntagmorgen nach 38 Stunden.

Zum Zweiten besuche ich mehrere Touristbüros und besorge mir eine Detailkarte vom Donaudelta. Hier bekomme ich unisono die Auskunft, dass ich zu Fuß nicht mehr weiterkomme und mit dem Schiff nach Solina fahren soll. Ist das hier das Ende für mich? 

Nein, das glaube ich nicht, da habe ich andere Sachen gelesen. Erst im dritten Büro gibt mir die Dame die Auskunft, dass das wohl geht, zwar nicht ganz bis Sulina (meinem Zielort), das war klar, sondern eben ein Teilstück. Die Frau war ein Glücksfall für mich. Sie hat mich auch aufgeklärt, dass ich hier am Automaten einen Erlaubnisschein für das Donaudelta kaufen muss. Das habe ich nicht gewusst. Für 15 Leu (4 Euro) habe ich  das Ticket gelöst. Die gute Fee hat mir auf Anfrage auch noch ein Zimmer in Partizani angefragt. Das muss jetzt Hand und Fuß haben. Ich möchte heute nacht nicht irgendwo im Delta versumpfen.

Und jetzt wird unterrichtet:

Das Donaudelta erstreckt sich über 580.000 ha, was 2,5 % der gesamten Fläche Rumäniens entspricht. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich auf 4.178 km², davon befinden sich 732 km² in der Ukraine und 3.446 Km² in Rumänien. Nachdem die Donau über 2.860 km und 10 Länder hinter sich gelassen hat, teilt sie sich in drei Armen auf: Chilia im Norden, Sulina in der Mitte und Sfantu Gheorghe im Süden - und fließt ins Schwarze Meer. 

Der Sulinaarm ist mit ca. 45 Seemeilen die kürzeste Strecke zum Schwarzen Meer und wird deshalb seit jeher von der Schifffahrt genutzt - und er ist der kleinste Arm. Bevor die Donau aber die lange Reise vollendet, bildet sie  zwischen den drei Armen ein einmaliges und wunderschönes Delta. Das Donaudelta steht auf der UNESCO-Liste der geschützten Denkmäler. Das Reservat bildet das größte Feucht-(Sumpf-)gebiet Europas und gleichzeitig die weltweit größte von Schilfrohr bedeckte Fläche.Das Donaudelta ist für über 300 Zug- und Brutvögeln ein Zuhause und für Fische ein Paradies. Zwischen den über 70 Fischarten, die hier leben, befindet sich auch der Kaviar produzierende Störlachs. Hier sind zirka 80 % der gesamten Oberfläche von Wasser bedeckt.

Ende der Unterrichtsstunde!

Nach drei Stunden in der Touristenhochburg Tulcea geht's bei 37 Grad über Malcoci nach Nufaru zum Nordarm. Eigentlich wollte ich die Fähre nehmen,  aber das geht auch anscheinend mit dem Ruderboot. Für umgerechnet 25 Cent wechsle ich die Seite.
"Fähre"
„Fähre“
Fähre
Fähre
Jetzt sind es nur noch 8 Kilometer bis zum Camping Euroclub. 

Es gibt zwar keine Teerstraßen, aber es gibt, ich sage mal, Verbindungen. Die sind zwar nichts für meine geschundenen Schuhe, aber notfalls laufe ich das auch noch mit meinen Flipflops. Hier ist er der trockene Untergrund das Problem. Ich bin froh, wenn kein Fahrzeug kommt. Da holst du dir eine Staublunge.

500 Meter vor dem Campingplatz spricht mich "Dima" an. Er war auch schon in Deutschland und ich werde jetzt ein Geschenk bekommen: Wein und Früchte. Ich muss aus der alten Flasche einen Schluck Wein trinken. Den Rest kann ich nicht mitnehmen. Dann gebe ich ihm noch zwei Zigaretten und er gibt mir einen Korb Mirabellen mit. Das soll ich doch bitte im Markt nach 300 Metern abgeben. 
DSC_0175
Klar, das mache ich gerne. Wortlos sitzt eine Alte vor dem Market und bedankt sich nicht einmal. Mir egal. Die Hunde kläffen. Beim Rausgehen auf die Straße packt mich doch noch so eine kleine Töle hinterhältig und ohne Vorwarnung am Bein und beisst mir hinten in die Wade. Das zwickt zwar etwas, aber ich muss fast schon lachen. Jetzt hat's mich doch noch erwischt und ich habe mein Hundeerlebnis gehabt.

Im Campingplatz mit vielen kleinen Hütten bin ich einziger Gast. Die Hütten haben keine Klimaanlage und stehen in der Sonne. Mann ist das Schwül hier drin. Das gibt wieder eine Nacht mit einem nassen Handtuch als Decke.

Und morgen werde ich nach einem Halbmarathon endgültig auf das Schiff wechseln müssen - in Richtung Ziel...
Campingplatz mir Hütten
Campingplatz mir Hütten
Danke Armin Madlener: Du hast den Tag 45 gesponsert.

Tourdaten:
43 Km in 9h, Aufstieg 335m, Abstieg 390m, 3.802 Kcal 
Gesamt: 
2.860 km in 408h 10min, Aufstieg 11.113m, Abstieg 11.257m, 221.230 Kcal 

Gruß Martin

Tag 44: Galati – Samova (69 km)

Liebe Leser,

vielleicht fällt der Bericht heute etwas schmaler aus. Ich weiß noch nicht. Ich sags euch gleich, ich habe gerade ganz schlechte Laune und irgendwie kann ich mich gar nicht richtig aufraffen, den Bericht zu schreiben.
Warum? Die SD-Karte vom Handy ist defekt und wird nicht mehr gelesen - "bitte Formatieren". So blöd bin ich jetzt auch wieder nicht. Dann ist sicher alles endgültig auf der Karte weg. 
Aber wenn die Karte jetzt wirklich defekt ist, dann würde das bedeuten, dass all die schönen Bilder von heute weg sind und vor allem,  alle Videos die ich vom ersten Tag an gedreht habe - einfach futsch - ein GAU für mich. Die Bilder habe ich ja Gott sei Dank noch auf Dropbox gesichert, bis gestern, aber eben nicht die Videos.

Das wollte ich vorneweg loswerden.

Meine Laune war heute morgen natürlich super. Warum auch nicht?

Also von Anfang an:
Und jetzt muss ich schon wieder dran denken. Die schönsten Bilder und Videos gab es heute morgen in Galati. Die Donau funkelt noch im Licht der tiefstehenden Sonne und das Beladen der Fähre ist ein Erlebnis. Die Fähre wird von der Seite beladen und alle Fahrzeuge müssen dort hin- und herkurven, bis sie um 90 Grad versetzt eingeparkt sind. Das geht nicht bei jedem Fahrer und Fahrerin auf Anhieb (tolles Video gedreht). So bin ich wieder für 30 Cent über die Donau auf die andere Seite gewechselt. Die Strecke allgemein war heute eher nervig. Auf der E87, die nicht breit gebaut ist, ist viel Verkehr. Geschätzte 1000 mal muss ich von der Fahrbahn runter und dann wieder rauf. Der Seitenstreifen ist sehr uneben. Aber die fahren auch heute wie die Wilden. Es ist normal hier, dass bevor dich ein Auto passiert, egal ob von vorne oder hinten, die Hupe betätigen wird. Das machen viele als Warnzeichen, was so viel bedeutet wie: "Geh auf die Seite". Aber die Allermeisten passen da schon auf.
Teilweise kann ich ausweichen, direkt durch den fünf Meter hohen  Schilfgürtel, da ist ein kleiner Weg (schöne Bilder gemacht).

Und immer wieder kann ich aus den Brunnen Wasser schöpfen und trinken. 

Und jetzt verabschiedet sich meine GPS-Uhr  und zeichnet nicht mehr auf (die Daten habe ich hochgerechnet und aus der Planung entnommen). 

Ich stehe mit der Technik heute auf Kriegsfuß.

Jetzt bin ich in  Samova. Bis dorthin waren  es 66 Kilometer - immer geradeaus auf der gleichen Straße Richtung Tulcea.

Ein Lob an meine Beine. Die werden gar nicht mehr so richtig "schwer". Vielleicht ist da ja schon alles schmerzempfindliche abgestorben.
Aber so richtig hitzebeständig bin ich noch nicht. An die ungefähre 37 Grad (Uhr zeigt nicht mehr an) habe ich mich zwar schon langsam gewöhnt, aber ein langes Joggen ist da für mich nicht möglich. Da kann ich schon besser Fotos machen.

In Samova gibt es die Übernachtungsmöglichkeit wie auf der Karte vorgegeben nicht mehr. Aber das ist mir heute piepsegal. Ich gehe drei Kilometer zurück, da war ein Wegweiser zum 5 Sterne-Paradies "Delta Naturresort". Und morgen dann eben wieder zurück. Nein, da war ich noch gut gelaunt. Egal ist es mir deshalb, weil ich langsam das Meer riechen kann.
Ich bin in einer Top Anlage und bekomme eine ganze Hütte / Haus für mich alleine. Da gibt es alles: Handtuchwärmer, Badewanne, Pool, Bademäntel, Bügelbrett im Zimmer, hauseigenes WLAN, Klimaanlage... 
Preis: So viel wie in Harsova im "La Natu". Das war das Zimmer ohne Wasser, direkt an der Strasse und ohne Klimaanlage!?

Zuvor habe ich noch mit Zuhause telefoniert. Erst später bemerke ich, dass ich im Ukrainischen Netz eingebucht bin (Grenze Mitte Donau). Das wird teuer. Die verlangen nur 3 Euro/Minute. 
Da drücken Sie rein, aber über die Grenze darf ich nicht...

Und dann kommt das mit der SD-Karte...

Jetzt mach ich wenigstens noch ein paar Bilder von der Anlage für euch. 
Ich könnte heulen.
Ich glaube, ich gehe heute Abend nicht mehr zum Essen - keinen Hunger.

Danke Robbe (Robert Schenk) für das Tagessponsoring Tag 44. 
Und das war trotzdem ein schöner Tag!!
Screenshot_2015-07-27-19-11-08
Im Ukrainischen Netz eingebucht
Coole Hütte
Coole Hütte. Das ist das Wohnzimmer 
...Schlafzimmer
…Schlafzimmer 
...Bad
…Bad 
Haus für mich
Häuschen für mich 
...mit schöner Aussicht
…mit schöner Aussicht
Tourdaten:
69 km in 11h, Aufstieg 430m, Abstieg 420m, 4.300 Kcal 
Gesamt: 2.817 Km in 399h, 10min, Aufstieg 10.778m, Abstieg 10.867m, 217.428 Kcal 

Und morgen bin ich wieder besser gelaunt!
Bis dann!
Martin


Tag 43: Turcoaja – Galati (51 km) – Moldawien – Ukraine – Galati (Rum.)

Hallo miteinander, 

es ist schon ein blödes Gefühl zuerst zurück zu fahren und dann die Strecke wieder retour abzulaufen. Ja, der Taxifahrer war heute morgen da. Er hat nur mit dem Kopf geschüttelt, als ich nach dem Aussteigen wieder kehrt gemacht habe und zurück gelaufen bin.
DSC_1360
Von Macin könnte ich direkt nach Norden weiterjoggen, das wäre "querfeldein" und eine "Abkürzung" von 30 Kilometer (grüne Route).
Hm, was mache ich? Nein, ich nehme den Umweg über Braila und Galati, die rote Route auf der Karte. Dort übernachte ich. Das sind nur gute 45 Kilometer, denn wenn ich schon mal hier bin, dann besuche ich auch noch die Länder 9 und 10: Moldawien und die Ukraine.
Also voll easy heute. Um 11 Uhr nehme ich nach ca. 25 Km mein Frühstück ein (im Hotel gab es das nicht), es gibt einen geräucherten Hähnchenschlegel mit einem Pfund Brot (was kleineres gibt es nicht) und Kaffee vom Saeco-Automaten.
Frühstück
Frühstück
 Mit der Fähre wechsle ich für 30 Cent die Donauseite nach Braila und um 14 Uhr bin ich schon in Galati.
Fähre nach Braila
Fähre nach Braila
Und hier ging es auf Grund der Größe der Stadt eine Weile, bis ich durch die Stadt auf die Straße 2B gekommen bin. Dort habe ich die Uhr gestoppt. Die Route ist für heute beendet!

Die eigentliche Fahrradroute geht schon am Stadtbeginn Galati mit der Fähre über die Donau in Richtung Tulcea. Das mach ich dann morgen.
Moldawien und die Ukraine steht nicht auf dem Plan.

Bevor ich es vergesse:  In Galati befindet sich  der Flusskilometer 150 und kurz danach kommt das Schild 80! Ja, ab Galati wird die Donau bis zum Ende in Sulina in Seemeilen gemessen (eine Seemeile = 1,852 Kilometer).

Ich frage an der Straße 2B einen Autofahrer, ob er mich an die Grenze Moldawien fährt. Kein Problem, er nimmt mich mit und lässt mich nach ca.  acht Kilometer vor der Grenze Rumänien - Moldawien aussteigen. Dann will ich locker den ersten Grenzposten passieren. Nein, das geht nicht! Zu Fuß darf ich da nicht durch. Also Daumen in den Wind halten! Der erste nimmt mich die 100 Meter!!!  bis zur zweiten Grenze Rumänien-Moldawien mit. Hier stehen wir mindestens 30 Minuten. Es hat heute etwa 39 Grad. 

Natürlich fotografiere ich das Schild Moldawien und schon kommt eine Grenzerin angerannt. Foto und Video verboten!! Ich gebe mich völlig unschuldig. Dann folgt die Blockabfertigung. Ca. 10 Autos dürfen zur dritten Grenze und alle Ausweise und Pässe werden eingesammelt. Dann bekommt man nach einer gewissen Zeit am Schalter wieder das Dokument ausgehändigt - wild durcheinander. Ich komme hier noch mit dem Personalausweis durch, doch ich muss  im Auto sitzen bleiben.
Endlich sind die Kontrollen beendet, ich bin im neunten Land Moldawien angekommen!
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Moldawien
Blockabfertigung
Blockabfertigung
Zur Info: Die Donau hat in Moldawien eine Länge von 570 Metern (nicht Km).
Jetzt noch schnell das 10. Land, die Ukraine besuchen, ein Meter rein und wieder raus. 
Die Grenze kommt schon nach circa zwei Kilometern. An der ersten Grenze schauen mich alle an, als wenn ein Schimpanse auf einem Dinosaurier dahergeritten kommt. Immer nur Achselzucken und fragen, was ich denn hier will. Und ich erzähle meine Geschichte...
Ich bekomme ein kleines Zettelchen mit einem Stempel von Moldawien.
Beleg Moldawien
Beleg Moldawien
 Weiter geht's zur eigentlichen Grenze in die Ukraine. Komischerweise habe ich dort  den Eindruck, als wollen die mich sofort verhaften.
Ich erzähle dem ersten Grenzposten mit dem angerosteten Gewehr meine Geschichte, dann der Grenzerin, die mich gar nicht freundlich anschaut, nochmals. Ich bekomme einen zweiten Stempel auf den Fresszettel.

Und jetzt muss ich mein Handy vorzeigen. Ich hätte Bilder gemacht. Das muss ich wohl zugeben, bevor ich eine Doublette im Hintern verspüre. Jedes Bild wollen sie sehen. Und dann  muss ich all meine Bilder  löschen, die ich im Bereich gemacht habe.  Dabei sind Bilder von normalen Informationen der Autobahn oder sonstigen Informationen der Ukraine, keine Grenzbilder oder Personenbilder. Die spinnen doch!
Hätte ich vor ihren Augen nicht die Bilder gelöscht, dann  wäre das Handy vermutlich eingezogen worden.

Aber ich bleibe freundlich und überlege, wenn ich jetzt hier ein "Fass aufmache" dann bin ich in der Ukraine und muß kein Hotel suchen... (Späßle gmacht).

Jetzt kommt noch einer mit einem Kampfanzug hinzu. 
Warten, warten, warten. 
Und ich frage immer wieder, was ist jetzt, darf ich die zehn Meter durch und wieder zurück gehen oder nicht?

Ich soll warten!

Und immer wieder kommt der Goldfasan mit den goldenen Sternchen auf der Schulter raus und schaut sich das Ganze an, dann ist es ihm zu heiß und er verschwindet wieder.
Auch die anderen Grenzgänger stehen einfach so an der Grenze rum. Keiner weiß, wann er hier durch darf. Jeder gibt seinen Pass ab und irgendwann darfst du durch oder nicht. 
Das ist alles sehr militärisch hier. Mir tun die LKW-Fahrer vor der Grenze leid, ich glaube die stehen hier tagelang rum - bei fast 40 Grad im Schatten.

Aber irgendwann sind alle in ihrem klimatisierten Häuschen. Kein Blick nach außen. Da kann ich doch schnell die 10 Meter drüber hüpfen und ein Bild machen. 

Yes, ich habe es geschafft, ich war im zehnten Land, der Ukraine und wenn auch nur für eine Zehntelsekunde.
Ich bin in der Ukraine eingebucht
Ich bin in der Ukraine eingebucht
Ja ja, und dann kam was kommen musste, ich darf die Grenze offiziell nicht passieren. Das war ja klar. Ich habe ja kein Visum. Für das haben sie circa eine Stunde gebraucht.
Beim Zurückgehen nach Moldawien habe ich fleißig versucht, die gelöschten Bilder wieder einzufangen.
Grenze Ukraine
Grenze Ukraine  
Grenze Ukraine
Grenze Ukraine 
Und jetzt wieder die zwei Kilometer durch Moldawien zurück am ersten Grenzposten das gleiche Spiel: Ich darf die hundert Meter bis zur zweiten Grenze nicht zu Fuß gehen. Also wieder Daumen raus und mit einem Auto zur zweiten Grenze gefahren. Und hier fragt mich der Grenzer doch allen Ernstes, warum ich nur einen Ausweis dabei habe und keinen Pass. Ich sage ihm in mir fast unerklärlicher Ruhe, dass ich doch eben beziehungsweise vor gut einer Stunde hier vorbei gekommen bin und nur wieder zurück nach Rumänien will…

 Da bin ich jetzt wieder, in Galati, im klimatisierten Hotel und denke, ein zweites Mal würdest du das wieder machen.

Und nochmals Danke an meine Mama. Ich glaub das schlimmste ist überstanden (grins). Danke für den Tag 43! Das war ein cooler Tag.

Na dann, bis morgen

Ach so,

Tourdaten:
51 Km in 7h 70 min, Aufstieg 641m, Abstieg 638 m, 3.862 Kcal 
Gesamt:
2.748 Km in 388 h 10min, Aufstieg 10.348m, Abstieg 10.447m, 213.128 Kcal 


Gruß Martin

Tag 42: Harsova – Turcoaia (69 km)

Servus miteinander, jetzt bin ich wieder an der Reihe.

Was gibt's denn zu berichten?

Die Pension  "La Natu" gestern war ganz ok, nur die verlangen hier noch mehr Geld, als wenn man in einer Großstadt in einem Hotel nächtigen würde. Im Hotel habe ich mehr Komfort. Hier hatte ich eigentlich nur ein Bett direkt an der Straße, ohne Klima und Wasser im Zimmer. In der Nacht habe ich mich mit einem nassen Handtuch zugedeckt, das hat die Schwüle etwas gelindert. Ich habe gut geschlafen und war ja Gott froh, dass ich überhaupt ein Bett hatte. Beim Essen war ich wieder allein im Restaurant (es gab heute Cordon Bleu mit Salat und 3 Radler).
Habe ich heute Geburtstag?

Ich renne so den Berg hoch, da hält neben mir ein Auto. Der Fahrer Andrej kann gut Englisch und fragt mich, woher ich komme, wohin ich gehe... Er arbeitet bei Bayer in Bukarest und findet es toll, was ich da mache.  Dann gibt er mir einfach so Werbegeschenke: Ein Touch-Pen-Kugelschreiber, eine Taschenlampe, eine Basecap, Orangen, Pfirsiche und 1 Gatoradegetränk, das ich sofort vernichte. Wir tauschen noch unsere Personalien aus und dann geht's weiter. Wie soll ich das denn alles mitschleppen? Die Früchte esse ich gleich und die Mütze werde ich später einem freundlichen Bauernjungen übergeben.
Andrej
Andrej
Vor Dueni hält dann ein Fuhrwerk neben mir. Der Mann hat die Deutschlandfahne auf meinem Rucksack gesehen und bittet(!) mich mitzufahren. Auf der kurzen Fahrt unterhalten wir uns. Er hat einen Sohn in Hamburg, den ruft er sogleich an und drückt mir das Telefon ans Ohr. "Hallo, Grüß Gott, wie gehts, alles klar, grüß mir Vater..." Alle freuen sich und ich "darf" wieder gehen.
Dann fährt ein Telekom Fahrzeug an mir vorbei. Das hält auch an. Auch dieser Fahrer will wissen wohin die Reise geht. Ja, da stehen die einfach auf der Straße rum und unterhalten sich mit einem. In der nächsten Ortschaft kommt mir der Telekom Mitarbeiter mit seinem Dacia  wieder entgegen und stoppt sein Fahrzeug  neben mir. Jetzt gibt er mir ein Sandwich, das soll ich essen, ich muss mich stärken!
Und ich habe doch gar nicht Geburtstag. Aber so sind dir Leute hier, spontan und freundlich. Habt Dank.
Auch heute nehme ich reiß aus, verlasse den Radweg und gehe an der Donau beziehungsweise den Seitenarmen entlang. Manchmal auch durch den Wald, da muss ich aber rennen - die Mücken fressen dich sonst.
Objektiv nach links..
Objektiv nach links… 
Objektiv nach links...
Objektiv in die Mitte… 
Objektiv nach rechts!
Objektiv nach rechts! 

DSC_1345

Lieber Karl-Heinz Dunkel, wenn du die Strecke mit dem Rad fährst, mache es so wie ich und biege nach Peceneaga links ab. Hier gibt es einen breiten Weg nach Turcoaia. Da bist du ganz alleine und weg von der Straße. Aber auch kein Schatten. Ich glaub mir macht die Hitze jetzt viel weniger aus wie zu Anfang (37 Grad).
Die schönen Landschaften sind das eine, der viele Müll das andere. Wenn ich hier Chef wäre, dann würde ich mit absoluter Sicherheit versuchen, das Flaschen- und Dosenpfand einzuführen. Und ich würde Weichspüler verkaufen. Die Bettwäsche und die Handtücher fühlen sich an wie ein achtziger Schmirgelpapier. Da bist du morgens froh, wenn du nicht blutig aufwachst. 
Gestern habe ich noch mit der Schwäbischen Zeitung telefoniert und mitgeteilt, dass ich bisher nie in die Donau zum Baden gegangen bin, nein nicht einmal berührt habe ich sie. Ganz am Anfang (Tag 0) an der Brigachquelle und an der Bregquelle. Bald ist es soweit!
Trocknet langsam aus
Trocknet langsam aus 
Wald, Schatten, Mücken
Wald, Schatten, Mücken 
An was sehe ich, dass ich mich dem Ziel Sulina beziehungsweise dem Schwarzen Meer nähere?
1. Ich halte die letzte Karte (von 11) in der Hand
2. Auf meiner Uhr werden 10 HM ü.N. angezeigt 
3. Autokennzeichen mit TC für Tulcea kommen mir entgegen.
Ich werde weniger Gesamtkilometer auf der Uhr haben wie geplant, da durch den direkten Weg an der Donau zum Teil an Kilometer gespart wird. Das war aber auch schon anders herum.
Über den Berg im Hintergrund muß ich noch
Über den Berg im Hintergrund muß ich noch 
So, jetzt bin ich nach 69 Kilometern an der Straße 22D angekommen. Eine erhoffte Schlafmöglichkeit findet sich hier nicht - dass ist nur ein kleines Restaurant. Hier frage ich den Taxifahrer nach einer Unterkunft. Die ist 14 Kilometer entfernt in Macin. Das liegt auf meiner Strecke, das weiß ich und hier ist auch ein Hotel bei mir eingezeichnet. Aber ich hab für heut genug und jetzt machen wir das mal anders.   Wir verhandeln einen Preis aus (10,- Euro) für die Hinfahrt heute und Morgen früh, so Gott will, holt er mich um 7 Uhr vor dem Hotel ab und fährt mich zum Ausgangspunkt. Die Km will ich nicht geschenkt.
Und ich habe eine Klimaanlage, Bügel für die Wäsche, Seife... Yeah!

Alles da
Alles da
Meine liebe M A M A, du musst keine Angst mehr haben, ich bin gesund, unverletzt und fast am Ziel.
Danke für den Tag 42!!
Das war ein schöner Tag

Tourdaten:
69 km in 10h 30min, Aufstieg 470m, Abstieg 455m, 5.226 Kcal 
Gesamt:
2.697 Km in 380h 40min, Aufstieg 9.707m, Abstieg 9.809m, 209.266 Kcal 

Wenn ihr wollt bis morgen

Griaßle Martin

Tag 41: Ion-Corvin – Harsova (76km)

Guten Abend liebe Leute!

Wie angekündigt hat mein Papa heute kein Internet und ich, Leo, bin wieder an der Reihe, dass ihr alle auch etwas zu lesen habt 😉

Familienleben
Familienleben

Gestern in der Pension gab es noch ein kleines Restaurant. In diesem Restaurant hat eine Frau meinem Papa noch einen Hähnchenschlegel, Pommes und Salat zubereitet. Er saß dort ganz alleine – nur in Gesellschaft der Hunde! Sie haben fair geteilt – mein Papa das Fleisch und die Hunde die Knochen und etwas Brot.

Genauso war es morgens – mein Papa und die Hunde ganz alleine beim Frühstücken.

DSC_1309
Flusskilometer

So beschreibt mir mein Papa seinen heutigen Tag:
„Nach einem Kilometer komme ich an die Abzweigung in Ion-Corvin. Geradeaus, Richtung Osten wären es noch 78 km bis nach Constanta, das liegt am Schwarzen Meer (und hier könnte man weiter nach Istanbul – auch nicht mehr so weit!). Ich muss aber nach links in Richtung Norden abbiegen, 300 km mehr bis zum Schwarzen Meer. Aber so fließt die Donau eben.

Ich gehe davon aus, dass manche Ladenbesitzer oder Pensionen für die Touris die Preise ganz schön anheben. Aber was willst du machen. Den ganzen Tag geht es rauf und runter in einer Gegend, die fast Fahrzeugleer scheint. Ich sehe meist nur Bauern. Wie soll ich da einen Geldautomaten finden?

Die schönsten Strecken sind immer da, wo ich die Route verlasse und

Sandstrand
Sandstrand

(auf Risiko) direkt an der Donau gehe, wenn sie schon mal wieder neben mir ist. Das war heute nach Rasova. Schöne Sandstrände (etwas vermüllt), Strörche, Gänse, Pferde, Kühe, Esel und ich.

Auf der Straße zwischen den Dörfern ist so wenig Verkehr, dass es

Teppich waschen auf der Straße
Teppich waschen auf der Straße

sein kann, dass an einem Bach von den rumänischen Familien auf der Straße die Teppiche ausgebreitet werden und mit dem Wasser vom Bach gewaschen werden. Die Fahrzeuge können da wie an einer Baustelle herumfahren. Bei uns in Deutschland wärst du nach 5 min so platt wie die Teppiche.

Und dann gehts wieder rauf (ich überhole die Pferdekarren) und wieder runter (grinsend ziehen sie an mir vorbei – der Bauer und das Pferd!)
In Cornadova, nach 38 km, denke ich noch nicht an Feierabend. Aber hier waren genügend Übernachtungsmöglichkeiten. Ich will es heute ja einmal anders versuchen.
Dunarea nach 55 km: Nada, man sagt mir in Capidava gibt es eventuell eine Pension.
Capidava nach 64 km: Pension gefunden. Wohnwagen ohne

Ausgrabungen Capidava
Ausgrabungen Capidava

Frühstück. Ein Restaurant fürs Abendessen gibt es hier auch keines und null Empfang, also ich kann nicht telefonieren, schon gar nichts schreiben.
Was solls, bin ja noch jung und die Beine wirken schon halb abgestorben. Weiter nach Topalu – 68 km. Wenn ich schon hier bin, dann kann ich ja gleich nach Tichilesti an die Bundesstraße zum Bett auf der Karte weiter.
76 km: Ziel erreicht! Wers glaubt.. Unterkunft gibt es nicht mehr und steht leer. Da sitze ich nun am Fahrbahnrand, ich armer Tropf. Ein Sprinterfahrer erkennt meine Situation und fährt mich nach Harsova. Da wollte ich eigentlich nicht hin, sondern der grünen Route folgen. Harsova ist eine große Stadt und ich finde gerade eine Pension dort. Ein Bett und Dusche mit Waschbecken im Gang. Egal, ich freue mich trotzdem!“

Ob er sich immer noch freut bezweifle ich, da sein Zimmer weder einen Bügel noch eine Klimanlage besitzt. Das bedeutet er sitzt nun in seinem 40° C heißen Zimmer und versucht seine Wäsche zu trocknen – viel Erfolg dabei Papa 😛

Tourdaten: 
76 km in 11h 40min; Aufstieg: 915m – Abstieg: 905m; 6.008 kcal
Gesamt: 2.628km in 370h und 10min; Aufstieg: 9.237m – Abstieg: 9.354m; 204.040 kcal

Im Auftrag meines Papas darf ich mich bei Paul Mock und seinen 3 Mädels für ihre Unterstützung bedanken, vielen Dank für Tag 41!

Zum Abschluss wünsche ich dir Papa, für die restlichen Tage alles Gute und keine Probleme. Komm heil wieder zurück, den zuhause wartet dein nächstes Abenteuer auf dich 😉